Praktika in Indien – Die Arbeitswelt

Wer in Indien studieren möchte, der hat eventuell auch den Wunsch in dieser Kultur die Arbeitswelt per Praktikum kennenzulernen. Oder aber es bleibt einem nichts anderes übrig, da man für sein Studium ein Praktikum absolvieren muss.

Es gibt mittlerweile viele europäische Firmen, die Outsourcing (wie es Neudeutsch heißt) betreiben und gerade Indien mit dem überdimensionalen Wirtschaftswachstum von circa 7%, trotz Nachwehen der Finanzkrise, kann zufrieden sein. Trotzdem leben über 50% der Inder mit einem Einkommen von höchsten 2 US-Dollar pro Tag (!), so das Auswärtige Amt. Gerade ländliche Gegenden, wo mehr als zwei Drittel der indischen Bevölkerung leben, sind davon betroffen. Die großen Firmen lassen sich meist verständlicherweise in den größeren Städten nieder, was man auch beachten sollte, wenn man ein Praktikum ins Auge fasst.

Allerdings braucht man entsprechende Voraussetzungen. Dazu gehört des Öfteren ein Vordiplom. Das perfekte Indisch muss hingegen nicht gesprochen werden, aber Englisch ist eine Grundvoraussetzung. Natürlich ist es nicht hinderlich, wenn man ein oder zwei Wörter Indisch beherrscht. Als einer der ersten Punkte sollte man lernen, dass in Indien beim Arbeiten keine Fragen gestellt werden. Dies Phänomen ist in der asiatischen Welt generell relativ verbreitet. Kritisieren wird ebenso fast als Grundsatz weggelassen. In der westlichen Welt könnte man das als kleine Schwäche werten, aber in Indien bedeutet es gerade gegenüber höher gestellten Personen Respekt zeigen. Auch sollte klar sein, dass man ein kulturelles Verständnis entwickeln sollte.

Es gehört sich einfach, sich für die Lebensweise zu interessieren und dementsprechend anpassen, wenn man im Ausland arbeitet. Eine Begrüßung per Handschlag ist nicht üblich. Je nachdem, wer gegrüßt wird, gibt es verschiedene Formeln. Freunde und Kollegen werden lockerer begrüßt, während Unbekannte förmlich begrüßt werden. Hier werden die beiden Handflächen vor der Brust senkrecht gegeneinander „gedrückt“ und der Kopf leicht nach vorn gebeugt. Sollte man wissen, dass der gegenüber eine Persönlichkeit ist, geht man einen Schritt weiter und ändert die Grußformel, was beim Praktikanten wohl am häufigsten vorkommen wird.

Die großen kulturellen Unterschiede haben wir in einem anderen Artikel näher beleuchtet, aber auch im Geschäftsleben spiegelt diese sich wieder. Ein Meeting fängt üblicherweise 30 Minuten später an. Feste Arbeitszeiten oder Gleitzeit gibt es nicht. Es herrscht Flexi-Zeit, wenn man es so nennen will. Ist zum Beispiel der Ladenbesitzer mit einem bestimmten Satz an Einnahmen zufrieden, schließt er den Laden. Ist der Absatz bestimmter Sachen äußerst lukrativ, arbeitet man auch gerne länger oder einfach die Nacht durch.

Arbeitskleidung ist im Business wie in Deutschland mindestens lange Hose, Hemd und Krawatte. Letztere kann man aber unter Kollegen auch weglassen. Beim Meeting ist sie zusammen mit einem Jackett allerdings Pflicht. Das gilt somit auch für Praktikanten. Den Punkt Geschäftsabwicklung vernachlässige ich hier etwas. Wer allerdings an einem Meeting teilnimmt, der sollte (soweit vorhanden) nach der Begrüßung sofort die Visitenkarten austauschen. Das gehört in Indien zum guten Ton. Außerdem die bekommende Karte eingehend lesen.

Nur Themen wählen, die dem Inder gefallen. Westliche Politik oder der Nationalsport der Inder (Cricket) sind ausgezeichnete Themen. Der Konflikt Indien-Pakistan sollte beispielsweise gemieden werden. Wer in den Genuss eines Geschäftsessen kommen sollte, kann sich auf Essen mit der rechten Hand einstellen. Die Linke dabei entweder unter dem Tisch lassen oder maximal mit ihr eine Gabel halten, um der rechten Hand das Essen zuzuschieben, denn sie gilt als unrein. Auch wird bei einem Geschäftsessen und ebenso privat meist auf Alkoholgenuss gänzlich verzichtet.

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