Das bunte Indien in Schwarz-Weiß

Gurgaon ist relativ unbekannt. Die indische Stadt wurde selbst von den eigenen Landsleuten als Schlafstadt bezeichnet, zumindest von der Mittel- und Oberschicht Indiens. Diese zog es immer wieder nach Gurgaon, um dem benachbarten, völlig überbevölkerten Delhi zu entkommen. Die Stadt ist unter anderem auch ein Magnet fuer Arbeiter, die von ländlichen Regionen Richtung Stadt ziehen und Anstellung in einer der Hinterhof-Fabriken Gurgaons finden. Dort leben sie dann in Baracken und unansehnlichen Wohnblocks und werden oftmals von diversen Fabrikanten ausgebeutet.

Für sechs Monate lebte Florian Lang unter ihnen. Florian studierte Kultur- und Medienpaedagogik. Er nutzte sein Auslandssemester, um in Indien ein fotografisches Portrait der Arbeiterklasse anzufertigen. Dies war mittlerweile schon sein zweiter längerer Aufenthalt in einer indischen Großstadt. Er hat sich intensiv mit Managern in der Bekleidungsindustrie sowie den Arbeitern von Gurgaon auseinandergesetzt, Kontakte zu Hilfsorganisationen geknüpft und auch eine indische Partnerin gefunden. Das Studium hat er mittlerweile abgeschlossen, und seine Arbeit ist sehr bald auch in der Öffentlichkeit zu bewundern – das bunte Indien in Schwarz-Weiß, sozusagen.

Immer mehr deutsche Studenten nutzen ihr Auslandssemester, um nach Asien zu gehen. Und meistens nehmen die jungen Menschen sehr viel mehr Erfahrungen mit, als nur eine andere Kultur oder Sprache kennen zu lernen – sie nutzen die Zeit unter anderem auch, um zu reisen. Bali, um Surfen zu lernen, oder Japan der reichen Kultur wegen und der Küche. Vom Fachmann in Kyoto in einer offenen Küche mit dem japanischen Messer in der Hand die Sushi-Zubereitung gelehrt zu bekommen, ist in jedem Fall eine Erfahrung wert. Thailand oder die Philipinen sind extrem beliebt unter Studenten, nicht nur weil es unheimlich viele gleichaltrige gibt, die mit dem Rucksack diese Perlen Südostasiens bereisen, sondern weil es nach wie vor relativ günstig ist.

Florian Lang benannte seine fotografische Arbeit übrigens nach einem Charlie Chaplin Film “Modern Times” – Klassenkampf und soziale Gegensätze werden auch dort angesprochen.

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